Bhutan


Bhutan
Bhu|tan; -s:
Staat im Himalaja.

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Bhutan,
 
 
 
Fläche: 47 000 km2
 
Einwohner: (2000) 2,0 Mio.
 
Hauptstadt: Thimphu
 
Amtssprache: Dzongkha
 
 
Währung: 1 Ngultrum (NU, Nu.) = 100 Chhetrum (CH, Ch.),
 
Zeitzone: 1630 Thimphu = 1200 MEZ
 
amtlich Dzongkha Drụk Yụl [tibetanisch »Drachenreich«], deutsch Königreich Bhutan, Staat im östlichen Himalaja, grenzt im Norden an China (Tibet) und im Westen, Süden und Osten an Indien (Bundesstaaten Sikkim, West Bengal, Assam und Arunachal Pradesh); mit 47 000 km2 etwa so groß wie Niedersachsen, (2000) 2,0 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Thimphu, Amtssprache ist Dzongkha (eine sinotibetanische Sprache). Währung ist der Ngultrum (NU, Nu.) = 100 Chhetrum (CH, Ch.); daneben ist die Indische Rupie gesetzliches Zahlungsmittel. Uhrzeit: 1630 Thimphu = 1200 MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Bhutan ist seit Oktober 1969 eine konstitutionelle Monarchie; eine geschriebene Verfassung existiert nicht. Staatsoberhaupt, Regierungschef und oberster Befehlshaber der Streitkräfte ist der König. Ihm steht der aus neun Mitgliedern bestehende Königliche Beirat (Lodoi Tsokde) als Konsultativorgan zur Seite. Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung (Tshogdu), deren 155 Mitglieder zweimal jährlich zusammentreten. 105 Abgeordnete werden für die Dauer von drei Jahren durch das Volk gewählt; die restlichen Abgeordneten werden von regionalen religiösen Körperschaften gewählt oder sie werden vom König ernannt. Königlicher Beirat und Ministerrat sind dem Parlament verantwortlich.
 
Parteien:
 
Parteien und Gewerkschaften sind nicht zugelassen.
 
 
Das Wappen von 1980 zeigt innerhalb von vier Eckrahmengittern, die die vier geographischen Regionen, Dumsankha, Taksekha, Dalikha und Pasankha (aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts stammende Einteilung), darstellen, im Zentrum das Rad »Khorlo«, eines der acht Glückssymbole des Buddhismus (Symbol für die Macht des Königs); darüber ein Sonnenschirm (buddhistisches Glückssymbol, das für den geistlichen Schutz über das Volk von Bhutan steht), unten eine Lotusblume, seitlich zwei Drachen als Beschützer des Rades, je einer als Kennzeichen für die geistliche und weltliche Herrschaft.
 
Nationalfeiertage:
 
Nationalfeiertag ist der 17. 12.
 
 
Das Zivil- und das Strafrecht sind kodifiziert; 1982 erfolgte eine Konsolidierung der geltenden Gesetze. Die Rechtspflege liegt in den Händen von Magistratsgerichten der Distrikte und dem 1968 gebildeten Obersten Gericht. Oberste Berufungsinstanz ist der König.
 
 
Die Gesamtstärke der königlich bhutanischen Armee beträgt etwa 5 000 Mann. Indien, das den militärischen Schutz des Landes im Wesentlichen übernimmt, unterhält eine Militärmission mit Militärberatern zu Ausbildungszwecken.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Bhutan ist ein Gebirgsland. An der Südabdachung des östlichen Himalaja gelegen, wird seine großräumige landschaftliche Gliederung durch eine orographische Dreiteilung bestimmt: die vergletscherten Hauptketten des Hohen Himalaja (6 000-7 000 m über dem Meeresspiegel; im Chomo Lhari werden 7 314 m, im Kula Kangri 7 554 m über dem Meeresspiegel erreicht) im Norden; die Ketten des Vorderhimalaja (2 000-5 000 m über dem Meeresspiegel) im mittleren Abschnitt; die Siwalikketten des Himalajavorlandes (bis 800 m über dem Meeresspiegel) im S. Randlich hat Bhutan außerdem mit einem 8-13 km breiten Streifen Anteil an der Duarzone der Ganges-Brahmaputra-Ebene. Von Norden nach Süden verlaufende Nebenflüsse des Brahmaputra bilden im Mittelbereich von Bhutan mehrere parallele Talzüge, deren mittlere Abschnitte (2 000-3 000 m hoch) die wirtschaftlichen und kulturellen Kernräume des Landes sind.
 
 
Während die Stauregen des Südwestmonsuns (Juni-Oktober) in den Siwalikketten und an den Ketten des Vorderhimalaja jährlich bis zu 5 000 mm Jahresniederschlag erbringen, sind die intramontanen Täler trocken (500-700 mm); infolge der günstigen sommerlichen Temperaturverhältnisse (20-25 ºC, im trocken-kühlen Winter dagegen 4-5 ºC) kann hier jedoch auf künstlichen Feldterrassen Reis angebaut werden. Ab 5 500 m über dem Meeresspiegel fallen auch die sommerlichen Niederschläge als Schnee.
 
 
Die Bevölkerung Bhutans kann in drei Gruppen eingeteilt werden: 1) Etwa 60 % der Bewohner Bhutans, die Bhutija oder Ngalops, sind tibetomongolischen Ursprungs, zu denen auch die regierende Drukpa-Elite gehört. Sie siedeln überwiegend im nördlichen und mittleren Bereich des Landes in Weilern und Streusiedlungen. 2) Die Sarchops in Ostbhutan sind tibetoburmesischen Ursprungs. 3) Rund 25 % der Bevölkerung sind Lhotshampas oder Nepali, also nepalesischen Ursprungs und haben sich im Süden (Tarai) angesiedelt; sie sind Hindus und sprechen Nepali.
 
Größere Städte sind außer der Hauptstadt Thimphu die frühere Hauptstadt und Winterresidenz Punakha, die Stadt Paro und die Grenzstadt Phuntsholing.
 
 
Rd. 69 % der Bevölkerung sind Buddhisten; die Nachfahren der Einwanderer aus Nepal und Indien (rd. 25 %) sind Hindus; rd. 5 % sind sunnitische Muslime. Daneben gibt es Anhänger traditioneller tibetanischer Religionen (Bon-Religion) und eine verschwindende christliche Minderheit (v. a. Katholiken) unter den Indern. Der Mahayana-Buddhismus tibetanischer Prägung (Lamaismus) ist Staatsreligion und wird durch die Klöster und rd. (1992) 3 300 ordinierte Mönche getragen. Die befestigten Hauptklöster (Dzongs) sind neben religiösen zugleich auch Verwaltungszentren. Die einzige staatlich anerkannte christliche (katholische) Gemeinde in Bhutan untersteht dem Bischof von Tezpur (Indien).
 
 
Der Schulbesuch - Primarschule 6, Sekundarschule 5 Schuljahre - ist (im Wesentlichen) kostenlos, aber nicht obligatorisch. Die Analphabetenquote beträgt 35,8 %. Im Allgemeinen wird ein auf britischen und indischen Vorbildern basierender Lehrplan zugrunde gelegt; Englisch ist Unterrichtssprache. Nepali wurde 1989 als Unterrichtssprache an den Schulen untersagt.
 
 
Die selbstständige, aber unter Kontrolle des Informationsministeriums stehende Wochenzeitung »Kuensel« erscheint in Dzongkha, Englisch und Nepali. Der ebenfalls vom Informationsministerium kontrollierte »Bhutan Broadcasting Service« bringt Radiosendungen in Dzongkha, Sarchopkha, Nepali und Englisch, seit 1999 auch Fernsehsendungen.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Vor 1960 war Bhutan bis auf geringe Handelsbeziehungen zu Tibet und Indien ein geschlossenes Land. Es zählte zu den ärmsten Ländern der Erde. 1994 betrug jedoch das Bruttosozialprodukt rd. 400 US-$ pro Kopf. Bhutan fällt damit nicht mehr in die Liste der Least developed countries. Bis heute arbeiten rd. 87 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, dem dominierenden Wirtschaftszweig Bhutans. 3,4 % sind im Dienst der Regierung, nur etwa 1 % sind Geschäftsleute und 2 % anderweitig beschäftigt. Bhutan kann sich selbst mit Grundnahrungsmitteln versorgen. Die Wirtschaftsentwicklung wird seit 1961 mit Fünfjahresplänen gesteuert; die Realisierung der beiden ersten Fünfjahrespläne wurde zu 100 % von Indien, zu dem Bhutan traditionell enge Beziehungen hat, finanziert.
 
 
Nur etwa 15 % der Gesamtfläche Bhutans werden landwirtschaftlich genutzt, besonders in den Flusstälern und im südlichen Hügelland. Etwa 32 % der Anbaufläche sind terrassiert, 11,5 % werden im Wanderhackbau genutzt. Vorherrschend ist Subsistenzwirtschaft in kleinbäuerlichen Familienbetrieben. Fast alle Bauern sind Besitzer ihres Landes, Pachtbetriebe sind selten. Die durchschnittliche Betriebsgröße beträgt 1,6 ha. Ein Gesetz aus den 60er-Jahren beschränkt die Größe des Landbesitzes auf 12 ha (30 acres). Hauptanbauprodukte sind Nassreis (bis 2 400 m über dem Meeresspiegel) im Westen des Landes und Mais (42 % der Agrarproduktion) im S. In höheren Lagen werden auf terrassierten Feldern Bergreis, Weizen, Buchweizen, Roggen und Hirse angebaut. Weitere wichtige Feldfrüchte sind Chillies, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Ackersenf. In der gemäßigten Klimazone im Süden wurden von der Regierung Obstplantagen (rd. 3 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche) planmäßig angelegt: Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Pflaumen, Aprikosen und Walnüsse. Die meisten Bauern halten Vieh als Nebenerwerb: Büffel im Süden, Kühe und Schweine in der zentralen Region und Yaks in den nördlichen Bergregionen. Daneben werden Pferde, Schafe, Ziegen und Hühner gehalten.
 
 
Ungefähr 70 % des Landes sind mit Wäldern, die eine bedeutende natürliche Ressource des Landes darstellen, bedeckt. Die ausgedehnten Waldflächen werden forstwirtschaftlich genutzt, obwohl die Topographie und schlechte Verkehrswege Grenzen setzen. In Anbetracht der ausgeschöpften Landreserven liegt der Schwerpunkt der staatlichen Entwicklungsplanung auf der Förderung von »Agroforestry« und Verbesserung der Viehhaltung. Brandrodung ist verboten. Über 90 % des Holzes wird als Brennholz genutzt. Rundholz, Blockware, Bretter und Furniere werden hauptsächlich nach Indien exportiert.
 
 
Bhutans bekannte Bodenschätze umfassen Kupfer, Eisenerz, Dolomit, Glimmer, Gips, Blei, Zink, Steinkohle, Kalkstein und Pyrit. Davon werden bisher nur Steinkohle und Dolomitgestein in kleinem Umfang abgebaut und exportiert.
 
 
Der Energiebedarf Bhutans wird zu 77 % durch Brennholz, zu 8 % durch Erdölprodukte und zu 0,8 % durch Kohle gedeckt. Die Hydroenergie gewinnt immer mehr an Bedeutung. Von dem Wasserkraftwerk Chukha (339 MW) werden rd. 95 % des Stromes nach Indien exportiert. Bhutan sieht Wasserkraft als sein künftiges Hauptexportprodukt an, da bisher nur 6 % des Potenzials genutzt sind.
 
 
Weniger als 1 % der Beschäftigten sind in der verarbeitenden Industrie beschäftigt. Die Industrie Bhutans wird von wenigen Großbetrieben dominiert, dazu gehören die Holzindustrie in Gedu, die Penden-Zementfabrik in Pagli sowie unter den vielen Lebensmittelverarbeitern die Tashi Corporation, daneben eine Streichholzfabrik und zwei indischen Branntweinbrennereien. Die Regierung hat zwei Industrieparks bei Phuntsholing und Gaylegphug eingerichtet. Das traditionelle Handwerk produziert Holzschnitzereien, Webarbeiten, Silberschmiedekunstgegenstände, Maskenschnitzereien und andere kunstgewerbliche Arbeiten. Auch die Teppichweberei hat in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen.
 
 
Zur Vermeidung von Massentourismus ist die Zahl der Touristen limitiert (1993 nur 2 997 Besucher). Visa für Einzeltouristen werden nicht erteilt; Gruppentouristen müssen mindestens 150 US-$ pro Tag in Bhutan ausgeben. Anfang der 90er-Jahre ist die Bhutan Tourist Corporation privatisiert worden.
 
 
Indien ist nicht nur der wichtigste Handelspartner (seit der chinesischen Annexion Tibets), sondern unterstützt auch die wirtschaftliche Entwicklung in erheblichem Maße. Bhutan hat mit Indien ein Freihandelsabkommen, die Transportwege durch Indien stehen Bhutan offen. 90 % der Exporte gehen nach Indien; 68-80 % der Importe kommen aus Indien. Hauptausfuhrgüter sind Strom (vom Chukha-Kraftwerk nach Indien), Holz und Holzprodukte, landwirtschaftliche Erzeugnisse (besonders Kartoffeln, Äpfel, Orangen, Gemüse), Mineralien (Kalk, Dolomit, Schiefer), Blumen und Samen sowie kunstgewerbliche Gegenstände (nach den USA, nach Europa, Japan und Singapur). Nennenswerte Deviseneinnahmen werden seit 1972 durch den Verkauf von Briefmarken und seit 1974 durch den Tourismus (Zwangsumtauschraten) erzielt.
 
Verkehr:
 
Bhutan verfügt über (1990) 2 336 km Straßen, wovon 535 km nicht geteert sind. Die Hauptroute von Phuntsholing im Tarai über die Pässe in die Täler von Paro, Thimphu und Tashigang wurde seit 1960 ausgebaut. Straßenbau und Unterhalt sind wegen der verkehrsfeindlichen Topographie und des regenreichen Sommermonsuns verhältnismäßig hoch. Ein Eisenbahnnetz gibt es nicht. Seit 1988 fliegt die nationale Luftverkehrsgesellschaft DRUK AIR (KB) Kalkutta, Dhaka, Katmandu, Neu-Delhi und Bangkok an.
 
 
Bis zum 7./8. Jahrhundert, als von Tibet und Indien aus der Buddhismus in Bhutan eingeführt wurde, ist die Entwicklung des Landes weitgehend unbekannt. Um 800 gründete der indische Buddhistenmissionar Padmasambhava an verschiedenen Orten Felsenklöster (u. a. Taktsang [»Tigernest«] im Parotal). Etwa seit dem 9. Jahrhundert drangen die aus Tibet stammenden Bhutija in Bhutan ein und unterwarfen die (wohl zum Teil indische) Vorbevölkerung, unter der die Bon-Religion verbreitet war. In den durch hohe Gebirgsketten voneinander getrennten Tälern Bhutans bildeten sich mehrere Fürstentümer. Im 12. Jahrhundert errichtete der tibetanische Mönch Gyelwa Lhanangpa die ersten befestigten Klöster in Bhutan. Seit 1616 einigte Shabd(r)ung Ngawang Namgyal (* 1594, ✝ 1651) das Land und begründete die theokratische Herrschaft; er erließ Gesetze und veranlasste den Bau von Klosterfestungen (»Dzongs«) als Religions- und Verwaltungszentren. Der Lamaismus wurde Staatsreligion. Vorherrschend war seit dem 17. Jahrhundert die buddhistische Schule der »Drukpa« (auch »Brug-pa«, benannt nach dem nördlich des Brahmaputra gelegenen Kloster »Brug« [»Drache«], bei dessen Einweihung einer Legende nach ein Drache am Himmel erschienen sein soll); nach ihr erhielt Bhutan den offiziellen Namen »Druk Yul« (»Drachenreich«). Invasionsversuche der Tibeter im 17. Jahrhundert scheiterten. 1627 gelangten die portugiesischen Missionare E. Cacella und J. Cabral (Jesuiten) als erste Europäer nach Bhutan. Der Name Bhutan, der v. a. durch die Engländer Verbreitung fand, geht wahrscheinlich auf den indischen Begriff »Bhotanta« zurück (»Bhota« für Tibet, »anta« für Ende; sinngemäß: das an Tibet angrenzende Gebiet).
 
Nach dem Einfall bhutanischer Truppen in das Fürstentum Cooch Behar (1772) und der anschließenden militärischen Niederlage gegen die Briten (1773) begann ein langwieriger anglobhutanischer Grenzkonflikt. 1774 schloss Bhutan einen Friedensvertrag mit der britischen Ostindischen Kompanie. Nach erneuten Kämpfen (1864/65) mit den Briten besetzten diese Teile von Bhutan. Im Vertrag von Sinchula (1865) musste Bhutan die britische Vormacht anerkennen (Abtretung des dem Himalaja vorgelagerten Tieflandstreifens [Duars] gegen eine jährliche englische Zahlung). Ende des 19. Jahrhunderts begannen v. a. nepalesische Einwanderer (Hindus) im Süden des Landes zu siedeln.
 
Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts blieb Bhutan formal unter der Doppelherrschaft eines geistlichen Oberhaupts (Dharma Raja) und eines weltlichen Oberhaupts (Deb Raja); Letzterem unterstanden Statthalter (Penlops) für den Osten (Paro) und Westen (Tongsa) des Landes. Durch Machtkämpfe zwischen den Statthaltern wurde Bhutan im 19. Jahrhundert von mehreren Bürgerkriegen erschüttert. 1885 errichtete der Penlop von Tongsa, Ugyen Wangchuk, seine Herrschaft über das Land. Mit seiner von den Briten unterstützten Wahl zum König (17. 12. 1907) wurde Bhutan in eine erbliche Monarchie umgewandelt (Beginn der bis zur Gegenwart regierenden Wangchuk-Dynastie); der Herrscher nahm den Titel »Druk Gyalpo« (»Drachenkönig«) an. Durch den Vertrag von Punakha (1910) unterstellte sich Bhutan der Schutzmacht Britisch-Indien bei Zusicherung der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes. Am 8. 8. 1949 löste ein Freundschaftsvertrag mit dem inzwischen unabhängig gewordenen Indien das bisherige Protektoratsverhältnis ab (Festlegung, dass Indien die außenpolitischen Belange Bhutans wahrnimmt und diesem wirtschaftliche Hilfe leistet). 1926-52 herrschte Jigme Wangchuk als König (Inthronisation 1927). Sein Nachfolger Jigme Dorji Wangchuk (1952-72) führte innenpolitische Reformen durch (1953 Schaffung der Nationalversammlung, 1965 Gründung eines Königlichen Beirates, 1968/69 Einführung der konstitutionellen Monarchie), begann mit indischer Hilfe eine vorsichtige Modernisierung (1961 Beginn des ersten Fünfjahrplanes, seit Beginn der 60er-Jahre Bau eines Straßennetzes) sowie eine Öffnung seines Landes (1962 Beitritt zum Colombo-Plan, 1971 Aufnahme in die UNO). Nach der Niederschlagung eines Aufstands in Tibet durch chinesische Truppen (1959) kamen rd. 6 000 tibetanische Flüchtlinge nach Bhutan. 1960 erfolgte die Gründung der Hauptstadt Thimphu. Nach dem Tod von Jigme Dorji Wangchuk wurde 1972 sein Sohn Jigme Singhye Wangchuk König (offizielle Krönung am 2. 6. 1974). Er setzte die behutsame, allmähliche Modernisierung und Öffnung seines Landes fort (1974 Freigabe seines Landes für einen beschränkten Tourismus, 1985 Gründungsmitglied der SAARC). 1984 begannen komplizierte Grenzverhandlungen mit China. In der Mitte der 80er-Jahre löste die zum Teil mit restriktiven Mitteln betriebene bhutanische Politik einer kontrollierten Entwicklung des Landes, die der Bewahrung der nationalen Identität, der Erhaltung der Traditionen und dem Schutz der natürlichen Umwelt stets einen hohen Stellenwert einräumte, wachsende innenpolitische Spannungen aus. Befürchtungen der Bhutijas vor einer Überfremdung Bhutans durch die v. a. seit den 1950er-Jahren eingewanderten Nepalesen führten 1985 zu einer Revision des Staatsbürgerschaftsgesetzes (Verschärfung der Kriterien für die Einbürgerung) und 1988 zur Massenausweisung von »Non Nationals« (die nach 1959, als die weitere Zuwanderung verboten wurde, v. a. in den Süden des Landes gekommene nepalesische Bevölkerung). Die 1989 einsetzende »Bhutanisierungs«-Kampagne zog blutige Proteste (Höhepunkt im September 1990) und eine starke Fluchtbewegung aus Südbhutan (bis 1994/95 etwa 100 000 Flüchtlinge) nach sich; es entstanden illegale, von Indien beziehungsweise Nepal aus agierende Organisationen (1989 Gründung des »People's Forum for Human Rights«, aus dem 1990 die »Bhutan People's Party« hervorging). Im Oktober 1993 fanden durch die Vermittlung Indiens erste Verhandlungen zwischen Bhutan und Nepal zur Lösung des Flüchtlingsproblems statt.
 
 
P. P. Karan: B. A physical and cultural geography (Lexington, Ky., 1967);
 S. S. Charak: History and culture of Himalayan states, 6 Bde. (Delhi 1978-88);
 M. Gerner: B. Kultur u. Religion im Lande der Drachenkönige (21985);
 R. C. Dogra: B. (Oxford 1990);
 P. P. Karan: B. Environment, culture and development strategy (Delhi 1990);
 H. Wilhelmy: B. Land der Klosterburgen (1990);
 F. Pommaret: B. (a. d. Engl., 1992);
 M. Brauen: Irgendwo in B. (Frauenfeld 1994);
 
Hb. der Dritten Welt, hg. v. D. Nohlen u. F. Nuscheler, Bd. 7 (31994).

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Bhu|tan; -s: Königreich im Himalaja.

Universal-Lexikon. 2012.

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